Sonny Rollins
US-amerikanischer Tenorsaxophonist des Modern Jazz
7.9.1930-25.5.2026
Gerade sind wir am Feiern des 100. Geburtstages von Miles Davis und gleichen Tags erfahren wir vom Tod des fast gleich grossen Sonny Rollins. Nun können wir zu deren Ehre die Platten auflegen, auf denen beide, die ja Zeitgenossen waren, in derselben Gruppe zu hören sind. Sonny übernahm ja immer mal wieder den zweiten Bläserpart in Miles' Gruppe, wenn der andere Tenorgigant der Epoche John Coltrane, der später in diesem Jahr ebenfalls noch seinen 100. feiern könnte, unabkömmlich war. Das musikalische Leben des Sonny Rollins spannt sich von der Frühphase des Modernen Jazz ab den späten 40er Jahren des vorigen bis in die 10er Jahre des jetzigen Jahrhunderts, als der grosse Musiker zufolge von Lungenproblemen sein Instrument beiseite legen musste.
Zu Persönlichkeit und Werk gibt es sehr viel an Texten, sei es in Büchern oder Zeitschriften, so auch in unserem Jazzletter Nr. 47 vom Dezember 2020 unter dem Titel "90 Jahre Saxophonkoloss". Man möge sich bitte in unserem Archiv umsehen. Hier ist nicht der Platz, um erschöpfend auf das Leben und die musikalische Hinterlassenschaft des Grossmeisters einzugehen. Seine Musik, ein wesentlicher Bestandteil der modernen Jazzgeschichte, ist auf zahllosen Tonträgern dokumentiert und begeistert uns bis heute.
Hier spielt er seine wohl bekannteste Komposition, welche auf seine karibischen Wurzeln verweist -->>Sonny Rollins - St. Thomas
Gunter Hampel
Deutscher Vibraphonist und Bassklarinettist des Free Jazz
31.8.1937-18.5.2026
Es kommt selten vor, dass ein Freejazzmusiker mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird; ebendies ist Guter Hampel 2009 widerfahren. Die 1965 erschienene Platte "Heartplants" seines Quintetts gilt als eines der ersten Dokumente des europäischen Freejazz. 1969 zog er in die USA, um die Geschichte des Jazz auf seine Weise zu erforschen und inskünftig in seine Musik einfliessen zu lassen. Hampel blieb Herr über seine eigene Produktion, indem er sein eigenes Label "Birth Records" ausschliesslich mit seiner Musik betrieb. Die "Galaxy Dream Band" in wechselnder Grösse und Besetzung war international besetzt, worin auch seine Ehefrau, die Sängerin Jeanne Lee, ein bedeutende Rolle spielte. Ab den 90er Jahren begann er sich auch mit Musik für das junge Publikum zu beschäftigen, was sich in seiner Jazz-HipHopband "Next Generation" niederschlug. Hier ein Beispiel mit u.a. seiner Tochter Cavana Lee Hampel voc -->>Gunter Hampel - YouTube
Kyoshi Kitagawa
Japanischer Bassist des Modern Jazz
5.12.1958-28.4.2026
Der aus Osaka stammende Bassist übersiedelte bereits 1988 in die USA, wo er zu einem gefragten Vertreter seines Fachs wurde. Er trat häufig im New Yorker Jazzclub "Smalls" auf und hatte dort die Gelegenheit, mit vielen Musiker:innen zu spielen. Zwar leitete er auch ein eigenens Trio, aber vor allem der grosse Pianist Kenny Barron schätzte die Zusammenarbeit mit Kitgawa und nahm ihn als feste Grösse in sein Trio auf. Hier ein Beispiel mit dem Trio, diesmal unter Kitagawas Namen und dem Drummer Brian Blade ->>Kiyoshi Kitagawa Trio (Kenny Barron & Brian Blade) - Equinox (2004)
Dan Wall
US-amerikanischer Organist des Modern Jazz
7.9.1953-14.4.2026
Wall war vor allem als Mitglied des Trios des Gitarristen John Abercrombie bekannt, in dem er ab 1991 drei Alben für das Münchner ECM-Label aufgenommen hatte und mit dem er 1992 zusammen mit dem Schlagzeuger Adam Nussbaum auch am Jazzfestival Willisau gastierte. Für enja, einem weiteren Münchner Label, spielte er 1996 unter eigenem Namen das Album "Off The Wall", bei dem ebenfalls Nussbaum, sowie die kanadische Trompeterin Ingrid Jensen und der österreichische Gitarrist Karl Ratzer mitwirkten, ein; daraus ein Titel mit Ratzer und Nussbaum >>Dan Wall - The Electric Ballroom (Off The Wall, 1996) (ha).
Mike Westbrook
Britischer Pianist, Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter des zeitgenössischen Jazz
21.3.1936-11.4.2026
Westbrook war eine der prägendsten Figuren des modernen britischen Jazz und rührte seine Projekte oft mit der grossen Kelle an. Dies betraf sowohl Werk wie Personal, indem er seine Orchester mit 10 bis zu 21 Musiker:innen besetzte. In den letzten Jahren begnügte er sich indes mit kleinen Formationen bis hin zum Solopiano. Seine suitenartig angelegten, grossorchestralen Werke waren bestimmten Themen gewidmet, wie z.B. das Frühwerk "Metropolis" seine Ersterfahrungen in der Metropole London. Dann bezog er seine Arbeit auf Künstler:innen früherer Zeiten, wie etwa den englischen Dichter und Maler William Blake (1757-1827), dem er ein eigenes Werk widmete, der aber auch in der grossen Suite "The Cortège" zusammen mit vielen anderen Dichtern Europas, wie Garcia-Lorca, Hesse, Rimbaud u.a. Aufnahme fand. Hinzu kamen Hommagen an Musiker wie Duke Ellington (On Duke's Birthday), Gioachino Rossini (Westbrook-Rossini) oder die Beatles (Off Abbey Road). Westbrook war ein häufiger Gast in der Schweiz, insbesondere am Jazzfestival Willisau. Er nahm auch einige Alben für Werner X. Uehlingers hatHut Records auf (ha).
Willie Colón
Puerto-ricanischer Posaunist, Basstrompeter, Sänger, Arrangeur und Produzent des Salsa
28.4.1950-21.2.2026
Man nennt ihn "King of Salsa", jenes Stils, der in den Latino-Vierteln vornehmlich des New Yorker Stadtteils Bronx entstanden ist und aus verschiedenen Elementen der reichen karibischen, insbesondere kubanisch-puertoricanischen Musikkultur zusammengesetzt ist. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine Sauce mit vielerelei scharfen Ingredienzien. Und gerade weil sie in New York angerührt wird, spielt der Jazz, und im speziellen Fall Colóns die Posaune und Basstrompete eine wesentliche Rolle. Es überrascht kaum, dass er nicht nur als Musiker, sondern auch als Produzent mit den meisten Grössen des Salsa zusammengearbeitet hatte. Aus den 40 Einspielungen, bei denen Colón beteiligt war, sticht das legendäre Latin-Album "Siembra" (1978) mit dem berühmten panamaischen Sänger Rubén Blades hervor.
>>https://www.youtube.com/watch?v=_AdOMUPKZ24&list=RD_AdOMUPKZ24&start_radio=1 (ha).
Michel Portal
Französischer Holzbäser und Akkordeonist des zeitgenössischen Jazz
27.11.1935-12.2.2026
Um die Bandbreite der Kunst des Basken Michel Portal einzugrenzen, könnten die Namen Joachim Kühn, Edith Piaf oder W.A. Mozart genannt werden. Diese Namensnennung zeigt indes, dass ein Begriff der "Grenze" enthält, dem Schaffen Portals kaum gerecht wird. Was nun den Jazz im engeren Sinn betrifft, war Portal eher der Avamtgarde zuzuordnen, was sich in der Gruppe "Michel Portal Unit" schon in den frühen 70er Jahren manifestierte. In diesem Kontext konzentrierte sich Portal vor allem auf die Verwendung der Bassklarinette, die eine breite und im Gefolge Eric Dolphys auch expressive Ausdrucksmöglichkeit bietet. Portal spielte auch des Öfteren mit Schweizer Musikern wie den Schlagzeugern Daniel Humair und Pierre Favre oder dem Bassiste Léon Francioli zusammen. Ebenso stellte er sich in Willisau in den Jahren 1973, 1997/98 und 2005 in verschiedenen Besetzungen vor. Portal blieb bis in die späten Jahre ein aktiv Neugieriger und hinterlässt eine lange Liste von Einspielungen mit seinem Namen.
Er war schon deutlich über 80, als er zusammen mit dem serbischen Pianisten Bojan Zulfikarpašić (Bojan Z) dieses Duett vortrug: >>https://www.youtube.com/watch?v=tN94C-bg0pg&list=RDEM6ywz5yE-qfsA48Wo9fpURw&index=1 (ha).
Ken Peplowski
US-amerikanischer Klarinettist/Saxophonist des Mainstream Jazz
23.5.1959-2.2.2026
Sein Hauptinstrument war die Klarinette, bei deren Nennung der Name Benny Goodman sehr bald fällt und mit dem Peplowski hin und wieder verglichen wurde.Tatsächlich spielte er in Goodmans Band, die 1984, zwei Jahre vor dessen Tod, neu aufgelegt wurde. Peplowski bediente dort allerdings das Tenorsaxophon, da der gestrenge Maestro vermutlich einen Klarinettenvirtuosen nur ungern neben sich gesehen hätte, Zuvor war er jedoch in den späten 70er Jahren Mitglied der vom Altsaxophonisten Buddy Morrow geleiteten "Tommy Dorsey Ghost Band", in der allerdings nurmehr der Geist des bereits 1956 verstorbenen Dorsey waltete. Peplowskis breit gefächerte stilistische Palette liess seinen Namen auf unzähligen Platten erscheinen. Auch der Filmer Woody Allen, der ja bekanntlich ebenfalls Klarinette spielt, verwendete in einigen seiner Filme Peplowskis Musik.
Hier ein eindrückliches Duett mit dem brasilianischen Gitarristen Diego Figureido: >>https://www.youtube.com/watch?v=kcqW1twXok8&list=RDkcqW1twXok8&start_radio=1 (ha)
Richie Beirach
US-amerikanischer Pianist/Komponist des Modern Jazz
23.5.1947-26.1.2026
Nicht jeder hatte einen Start wie Beirach, der an der "Berklee School of Music" in Boston bei Charlie Mariano und in New York an der "Manhattan School of Music" Komposition und Theorie studierte. Mit diesem Gepäck stieg er zusammen mit dem Bassisten Dave Holland und dem Drummer Jack DeJohnette beim grossen Tenoristen Stan Getz in dessen Quartett ein. Auch der Trompeter/Sänger Chet Baker nahm seine Dienste in Anspruch, bevor er zusammen mit seinem Kommilitonen aus Berklee-Zeiten John Abercrombie (g) Mitglied der Band des Saxophonisten Dave Liebman mit Namen "Lookout Farm" wurde. Ebenfalls mit Liebman formierte er sein Quartett "Quest", mit dem er zwischen 1981 und 1981 sechs Alben aufnahm, um es dann 2006 zu revitalisieren. Dazu wirkte er zwischen 2000 und 2014 als Professor für Jazzpiano an der Leipziger Hochschule für Musik. Beirach mag etwas weniger bekannt sein, jedoch sprechen seine Beiträge in über 500 Alben für unbestrittene musikalische Qualität.
Hier seine ungemein brillante Solointerpretation der Monk-Komposition "Round Midnight" >>https://www.youtube.com/watch?v=fUA1tyQUpwY&list=RDfUA1tyQUpwY&start_radio=1 (ha).
Christoph Stiefel
Schweizer Pianist/Komponist des Zeitgenössischen Jazz
29.7.1961-24.1.2026
Ab 1984 trat Stiefel als Mitglied der Gruppe des populären Harfenisten Andreas Vollenweider (Andreas Vollenweider & Friends) erstmals ins Rampenlicht und wurde von einem breiteren Publikum wahrgenommen. Das Engagement in dieser Formation führte ihn zu ausgedehnten Konzertreisen in Europa, den USA, Brasilien, Japan und Australien. Er spielte anschliessend u.a. auch mit US-Musikern wie dem Altsaxophonisten Charlie Mariano, den Schlagzeugern Peter Erskine sowie Jeff Hirshfield und dem deutschen Bassisten Dieter Ilg zusammen. Seine kreative Energie, nicht zuletzt als Komponist, verbunden mit spieltechnischer Brillanz machten ihn ab den 90er Jahren zu einer tragenden Säule der hiesigen Jazzszene. So war es nicht verwunderlich, dass Musiker:innen vom Format des Bassisten Heiri Känzig, des Flügelhornisten Matthieu Michel, des Altsaxophonisten Nat Su und vor allem auch der Sängerin Lisette Spinnler mit ihm auftraten. Vor allem mit Letzterer konnte er einfülhsam seine musikalischen Vorstellungen in eine bemerkenswerte Duoproduktion einbringen (The Heartbeat Of A Bird, CHY Records, 2022). Als Merkmal stand in späteren Phasen seines Schaffens auch die Verwendung von sogenanntemn Isorhythmen, einer Kompositionstechnik, die bis ins Mittelalter zurückreicht, im Vordergrund.
Hier ein Beispiel mit seinem "Inner Language Trio" >>https://www.youtube.com/watch?v=ScP_0Si79YE&list=RDScP_0Si79YE&start_radio=1 (ha)
Ralph Towner
US-amerikanischer Gitarrist, Keyboarder und Komponist des Zeitgenössischen Jazz
1.3.1940-18.1.2026
Beim Spiel auf der Gitarre, seinem Hauptinstrument, bevorzugte er 6- und 12-saitige klassisch-akkustische Instrumente. Er nannte jedoch den Pianisten Bill Evans als Vorbild, obwohl er hin und wieder auch selbst am Piano sass. Es war der intime Vortrag, der den Einen wie den Anderen auszeichnete und Towner oft Stücke des Vorbildes auf der Gitarre spielem liess. Die Überlaustärke und exzessive Fingerigkeit gewisser Kollegen war Towner fremd. In der berühmten Gruppe Oregon mit den Gründungsmitgliedern, dem Holzbläser Paul McCandless, dem BassistenGlen Moore, sowie dem Perkussionisten Collin Walcott spielte er neben Gitarre auch Piano und Synthesizer. Diese Zusammensetzung verlieh dem Ensemble einen einzigartigen Sound und führte sie in Schnittbereiche zwischen Klassik und Jazz, mit Anklängen an die sogenannte Weltmusik. Towner passte gut ins klangästhetische Konzept des Münchner ECM-Labels, wo er viele Aufnahmen, u.a. auch als Solist machte.
Als Beispiel möge hier die Mingus-Komposition "Goodbye Pork Pie Hat" dienen >> https://www.youtube.com/watch?v=l0wXMnNFCoM&list=RDl0wXMnNFCoM&start_radio=1 (ha).