Nachruf Mike Müller (1940 - 2024)

«Mike Müller war ein Meister der Anekdote. Wenn er seine Erinnerungen in Worte fasste, folgte Geschichte auf Geschichte, gekrönt jeweils mit einer saftigen Pointe.» Diese Charakterisierung schrieb Frank von Niederhäusern im Begleittext zu Mike Müllers 2008 veröffentlichtem Fotobuch «Ausschnitte – Bilder aus einem Leben mit Jazz».

Seine Erinnerungen hat Mike Müller in Tausenden von Fotos festgehalten. Als gelernter Profifotograf konnte er im Jazzclub Uster – seinem Heimklub – Szenen festhalten, welche die Lebendigkeit des Jazz aufs Beste zeigen. Die Freude an der Musik war sein grundsätzlicher Antrieb, aber auch das Ustermer Kulturleben anzuschieben, lag ihm am Herzen.Als Präsident des Jazzclubs konnte er frei planen, und mit seinen Freunden präsentierte er über die Jahre ein einmaliges Programm voller Höhepunkte, stilistischer Weitläufigkeit und Exklusivität. Dabei vergass er freilich nie die «einheimischen Täter» verschiedenster Generationen.

Mike Müller spielte eine prägende Rolle in der Geschichte des im Jahr 1963 gegründeten Jazzclubs Uster. 1986 übernahm er das Präsidium von Gründungspräsident Fernand Schlumpf. Unter seiner Leitung erhielt der Jazzclub im Jahr 1995 den Kulturpreis der Stadt Uster. 2003 übergab Müller die Leitung an seinen Nachfolger Stephan Häsler.

Müllers zweite Leidenschaft neben dem Jazz war die Fotografie. Als Profifotograf dokumentierte er die Konzerte im Jazzclub und veröffentlichte seine Aufnahmen 2008 im Buch «Ausschnitte – Bilder aus einem Leben mit Jazz». (lel)

 

«Schau, ich hab die neue Leica-Kamera jetzt dabei» oder «Sieh mal dieses Objektiv, jetzt kann ich auch aus Distanz Superschnappschüsse auslösen». Immer war Mike Müller im Schuss, kümmerte sich um die Musiker, um seine Freunde, um das Flair des Abends.

Kulturpreis und lange Verbundenheit
Und dann kam 1995 dieses Treffen mit dem Stadtpräsidenten von Uster. Mike Müller erzählte es so: «Die Aufforderung, sich zu einem Gespräch mit unserem Stadtpräsidenten einzufinden, löste bei uns die verschiedensten Spekulationen aus, aber keine sollte sich auch nur annähernd als richtig erweisen. Wir hatten uns bis anhin immer an das alt-alemannische Sprichwort gehalten: ‹Gehe nicht zu deinem Fürscht, wenn du nicht gerufen würscht.› Jetzt wurden wir gerufen, und die Kunde, die er uns überbrachte, war eine frohe! Der Gesamtstadtrat hat uns den Kulturpreis der Stadt Uster zugeschlagen. Eine grosse Ehre! Die Freude, in einer Stadt zu leben, die uns und unsere Anliegen schon seit langer Zeit mit Wohlwollen unterstützt und einen Teil unserer heutigen Kultur – vor 40 Jahren war diese Kultur noch Untergrund – wahrnimmt und sie auch auf verschiedenen Ebenen fördert, ist phänomenal.»

Inzwischen ist viel Wasser die Glatt runtergeflossen. Der Jazzclub Uster besteht immer noch, allerdings mit jüngeren Verantwortlichen. So oft es ihm möglich war, besuchte Mike Müller mit seiner Partnerin Dominique die Veranstaltungen, mit seiner Kamera und seinem Schalk in den Augen.

Mike Müller genoss seine aktiven Jahre, zahlte dem Alter aber auch Tribut. Allmählich verliessen ihn seine Kräfte, eine unheilbare Krankheit zwang ihn, zu Hause zu bleiben.

Wir sind sicher, dass er nun all die Jazzgrössen, mit denen er zu tun hatte, im Jenseits treffen wird und er dort manch grossartige Jamsession miterleben kann. Einstweilen rufen wir ihm unseren grossen Dank nach. Doch bald werden wir ihn wiedersehen – dort, wo er uns einige Anekdoten erzählen wird von seinen neuen Erlebnissen mit den ehemaligen Jazzstars.


06.012.02024 / Fernand Schlumpf