
* 20. Mai 1942 in Basel – † 25. Mai 2022
Unbekümmert wie ein fröhliches und wildes Kind emanzipierte sich der frühe Jazz von den marching bands, aber er bediente sich weiterhin der klassischen Instrumente aus der streng getakteten Welt der Blasmusik. Trompete, Posaune, Tuba und Klarinette/Sax, ergänzt durch Trommel und Pauke, prägten vorerst das Klangbild der Improvisatoren. Später erhielten auch Saiteninstrumente und Keyboards ihren Platz auf den Jazzbühnen, wo die virtuos bedienten Trompeten und Reeds für viele Zuhörer freilich das Mass aller Dinge blieben.
Und die Posaune? – Sie repräsentierte unter den Hörnern schon immer die sonore Mitte, ungemein improvisationsfähig zwar, aber stets etwas «erwachsen» neben den ungebärdigen Vollblütern. Es war denn auch ein eher ungewöhnliches Experiment, als der Amerikaner Jay Jay Johnson und der Däne Kai Winding, zwei Meister des Modern Jazz auf der Posaune, in den mittleren Fünfzigerjahren zusammenspannten und zweistimmig, getragen von einer einfühlsamen Rhythm-Section, zuerst eine vielbeachtete Serie von Einspielungen vorlegten und in der Folge unter der Marke Jay & Kai erfolgreich durch die USA und Europa tourten.
Jay & Kai oder Haag & Moccia
Eine Generation später setzten zwei Schweizer das Zwei-Posaunen-Konzept fort. Der Basler Paul Haag und der Tessiner Danilo Moccia gründeten 1986 die Band Twobones, die im Lauf von rund drei Jahrzehnten – ursprünglich begleitet von Dado Moroni (p), Isla Eckinger (b) und Peter Schmidlin (dr) – sechs beeindruckende Alben veröffentlichte. Twobones war freilich nur eines von vielen musikalischen Projekten, die mit dem Namen von Paul Haag verknüpft sind. Der Basler nahm als Jugendlicher Posaunenunterricht und fand schnell Kontakt zur städtischen Jazzszene. Paul spielte zunächst bei Peter Schwalms swingenden Savannah Junk Men mit, 1969 wurde er Mitglied der Mani Planzer Bigband.
Einen entscheidenden Schritt in Richtung Professionalität und Diversität machte Paul Haag, als er 1972 der Fusion-Band Magog beitrat, die mit ihrer Power-Besetzung (Hans Kennel, Andy Scherrer, Klaus Koenig, Peter Frei und Peter Schmidlin) am Montreux Jazzfestival 1973 ein starkes Zeichen setzte und danach auch im Ausland besondere Anerkennung fand. Viele weitere Stationen folgten. Paul wurde Mitglied von Mellow-Brass. In Hans Kennels Gruppen Alpine Experience und Mytha blies der gebürtige Basler das Alphorn und andere Naturhörner. Als Posaunist, Alphornbläser und auch Sänger tourte er 2003 durch Zentralasien. Und Paul Haag war Leadposaunist in Joe Haiders Bigband.
Magog und die Folgen
Eine Kapitel aus Paul Haags musikalischer Biografie verdient besondere Erwähnung. 1978 ging aus der Band Magog das Sextett Jazz Community hervor, dem 1979 ebenfalls ein glanzvoller Auftritt am Jazzfestival Montreux gelang. Zwei Tonträger - der erste mit Studioaufnahmen von 1979, der zweite mit Live-Konzert-Ausschnitten von 1983 - umreissen das grosse Potenzial der Community, deren Bläserfraktion mit Trompeter Hans Kennel, Posaunist Paul Haag und Tenorsaxofonist Heiner Althaus überzeugende stilistische Akzente zwischen Funk und Hardbop setzte. Übrigens: Im Swissjazzorama Uster sind die wichtigsten CD-Produktionen mit Paul Haag vorhanden, sie können dort Spezialpreis von je fünf Franken gekauft werden.
René Bondt
Weitere Platten-Highlights mit Paul Haag:
● Magog am Montreux Jazzfestival - 1973
● Twobones Live «Get that Groove» - 1988
● Twobones «To Kai and Jay» featuring Isla Eckinger - 1994
● Twobones im Jazzclub Q4 in Rheinfelden «Spiral stairway» - 1998
● Twobones «Ballads for bluehorns» - 2000
● «Paul‘s Call» mit Alphornquintett und Jodelgesang - 2001
● «Gäge de Strom» - Upstream mit Paul Haag & The Horns - 2005
● Twobones «Groovin‘ Bones» featuring Dado Moroni - 2007
● «Napf» - Paul Haag & The Horns Plus - 2009
● «Alphorn à la carte» mit u.a. Paul Haag & The Horns Plus
Bon Bones meet Twobones
Yuu Uesugi tb, Itsumi Komano tb, Danilo Moccia tb, Paul Haag tb, Peter Madsen p
Lorenz Beyeler b, Daniel "Booxi" Aebi d
Jazz in Bess, 2016

Magog – Live At The Montreux Jazz Festival 1973
5 Mini Rock
Hans Kennel tp, flh, perc, Andy Scherrer ts, perc, Paul Haag tb, perc, Klaus König p, el-p, perc, Peter Frei b, Peter Schmidlin d

Jazz Community – Il Topo 1983
C3 Orange Train
Hans Kennel tp, flh, Heiner Althaus ts, Paul Haag tb, Jürg Ammann p, Michel Poffet b, David Elias d

Twobones "Live 1988"
"Get that Groove" A tribute to Eric Peter
5 Cat Eyes
Paul Haag tb, voc, Danilo Moccia tb, Tutilo Odermatt p, Erich Peter b, Alberto Canonico d

Twobones – To Kai and Jay 1994
2 Me'n Jangles
Danilo Moccia tb, Paul Haag tb, Tutilo Odermatt p, Isla Eckinger b, Elmar Frey d

Napf – Paul Haag & The Horns Plus 2009
11 Bergrap / Mountain Rap
Paul Haag: Alphorn, Muotathaler Büchel, Norwegische Lur (Neverlur), tb, voc
Melanie Schiesser: Alphorn, Muotathaler Büchel, tp, Schwyzerörgeli, voc
Kurt Lustenberger: Alphorn, tp
Martin Bucher: Alphorn, Euphonium
Felix Steffen: Alphorn, Euphonium
Roland Schiltknecht:Hackbrett & Basshackbrett
Gabriel Schiltknecht d

Twobones 2007 - Live At The Salzfass In Brugg
9 The Days Of Wine And Roses
Paul Haag tb, voc, Danilo Moccia tb, Dado Moroni p, Isla Eckinger b, Peter Schmidlin d

Twobones
Vorne: Danilo Moccia, Paul Haag
Hinten: Tutilo Odermatt, Isla Eckinger, Peter Schmidlin
Aufnahmejahr: 2000

Paul Haag & THE HORNS
Martin Bucher, Felix Steffen, Paul Haag, Melanie Schiesser, Kurt Lustenberger
2007

Twobones
Isla Eckinger, Peter Schmidlin, Dado Moroni, Paul Haag, Danilo Moccia
2009

Bonbones & Twobones
Yuu Uesugi, Paul Haag, Lorenz Beyeler, Danilo Moccia, Yuu Uesugi
2016